DORIS BRÜCK




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Wie würden sie jemandem ihre Arbeit erklären?

Ich habe 2 Arbeitsfelder; das eine ist die Malerei und das andere ist die Padagogik.
Das sind Bereiche, die ich als relativ getrennt von einander erlebe. Die Malerei bietet
mir die Möglichkeit bestimmte grundlegende Erkenntnisse zu gewinnen, die in die
pädagogische Arbeit, wie in den Lebensalltag einfließen.


Hat ihnen die Assenza Malschule das nötige Rüstzeug mit gegeben?

Ich habe bereits vor dem Besuch dieser Malschule viele Jahre gemalt. Zu einem
bestimmten Zeitpunkt in meinem Leben suchte ich neue Anregungen. Das hat mich
zunächst zu den Pflanzenfarben geführt und später zur Assenza Malschule und das
war eine sehr bewußte Entscheidung. Die Schule hat mir ein vertieftes Verständnis
vermittelt, mit Farben und Komposition um zu gehen, im Grunde alles das, was die
Malerei aus macht.


Wie sind sie von Pflanzenfarben zu Acrylfarben gekommen?

Die Pflanzenfarben waren zu bestimmten Zeiten in meinem Leben von größter
Bedeutung,um die Wirkung von Farben unmittelbar zu erfahren und ein neues
Verhältnis zur Farbe aufzubauen. Ich habe mich 7 Jahre damit intensiv beschäftigt
und dann war der Zeitpunkt gekommen, wo ich neue Gestaltungsmöglichkeiten suchte,
Ich wollte nicht nur der Farbe lauschen, sondern auch die Farbe gebrauchen um zu
gestalten. Es ging mir um die Auseinandersetzung mit anderen Materialien und neuen
Gesichtspunkte. Vielleicht komme ich später wieder auf die Pflanzenfarben zurück und
kann eine Verbindung finden.


Wie läuft im Allgemeinen ihr Malprozeß ab?

Jeder Malprozess ist ein eigener Prozess und wenn ich jetzt einen schildere, dann kann
der nächste ganz anders ablaufen.

Also ich meinte mehr im Allgemeinen, man fängt z.B. mit einer Skizze an
und arbeitet sich dann so weiter.

Ich mache in der Regel keine Skizzen. Es gibt ja die Möglichkeit von der Zeichnung
zur Malerei über zu gehen, was an vielen Schulen gelehrt wird. Mein Weg ist
eigentlich der umgekehrte. Von der Farbe zur Form, vielleicht zur Linie oder zur
Zeichnung innerhalb eines Bildes. Der Ausgangspunkt ist oft die Farbe selbst,
ein Farbthema, ein Farbklang, Es kann aber auch ein Motiv sein das Bezug zur
Landschaft hat. Das Entscheidende ist, ein Erlebnis zu haben um, mit dem Malen
beginnen zu können. Das Erlebnis kann eine eine Farbe sein oder die Natur.
Es kann im Zwischenmenschlichen sein, aber auch ein Gedicht , ein Ort sein
oder eine Geste. Ich versuche eigentlich das , was Erlebnis war in mir zu
verlebendigen und damit den Anfang zu machen.
Der Anfang, ja jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, ist manchmal sehr schön
und ich möchte fast aufhören ein schöner Anfang ist aber noch kein Bild und
dann fängt die eigentliche Arbeit an: das weitere Bewegen von Flächen,
Zusammenhang bilden, wieder Differenzieren, Vervollständigen , Entscheidungen
treffen und umarbeiten. Was das Bild fordert, das ist meine Intension!
Was will das Bild, was fragt es jetzt? Das ist meistens mit einem Umwandlungsprozess
verbunden.


Worin besteht der wesentliche Unterschied zwischen dem Malunterricht
von Kindern und Erwachsenen?

Um so jünger die Kinder sind, um so weniger Vorgaben sind gefragt. Die Materialen
erklären, den Umgang und ein paar Spielregeln, reichen aus, das etwas entsteht. Da
ist das Schaffen wollen unmittelbar.
Wenn die Kinder älter werden Kinder,
gebe ich Themen zur Anregung oder stelle Künstler vor, woraus etwas ganz Eigenes
geschaffen wird. Die meisten Kinder, jedenfalls ab dem Schulalter arbeiten eher
gegenständlich. Bei Erwachsenen dagegen ist mehr die Frage, wie macht man das
Richtig und wie geht das. Jetzt bin ich hier und jetzt habe ich Unterricht und jetzt
möchte ich Anregungen haben. Bei den Kindern ist es mehr die Möglichkeit zu malen.


Mit welchem Künstler/-in würden sie gerne eine Doppelausstellung arrangieren?

Ich würde sehr gerne mal etwas mit Musik machen. Also z.B. mit der Elisabeth Hölscher,
die zu meiner Ausstellungseröffnung improvisiert hat. Ich würde gerne ein Experiment
machen, Malerei und Musik. Bei der Ausstellungseröffnung war das ja so, die Elisabeth
hat die Bilder vorher gesehen. Wir sind gemeinsam durch die Ausstellung gegangen, wir haben darüber gesprochen und dann hat sie gespielt und danach hatte ich den Eindruck
jetzt müßte ich ein neues Bild malen.
Ich kann mir das grundsätzlich mit anderen Künsten vorstellen. Wenn sich die Gelegenheit
bietet. Das wäre eine Frage der Gelegenheit. Skulpturen, mit Tanz, und mit Installationen,
das ist alles denkbar.



Wie sehen sie ein Leinwandbild im Gegensatz zum Digitalbild?

Ein gemaltes Bild egal ob auf Leinwand oder auf Papier hat immer etwas von den
unmittelbaren Schaffensspuren und darin ist ein Stück Leben zu erahnen. Die digitalen
Bilder sind vielleicht in einer gewissen Weise perfekter, aber auch ein Stück lebloser.
Es ist ein ganz anderes Medium und bestimmte Sachen kann man mit diesem Medium
wunderbar machen, aber dieses Leinwandbild, wo vielleicht noch irgendwo ein Faden
von der Leinwand hinten verstaut werden muss, das ist ein bisschen kratzig und echt.

Was wünschen sie sich für die Zukunft?

Viel Gelegenheit malen zu können, aber auch in Austausch mit Menschen zu treten.
Das Malen selber ist ja auch mitunter eine etwas einsame Tätigkeit und irgendwann
müssen die Bilder raus. Die Kunst ist ja nicht dafür da, versteckt zu werden, sondern die
Bilder müssen sich dem Gespräch stellen
.



Das Interview führte Robert Ludewig am 9.12.2009